Abschied

By juliamia

DSCN3031Ich schaue in Ihr Gesicht und habe das Gefühl, dass ich Ihre Gedanken und Emotionen erfühlen kann.

Es ist nicht wichtig wo wir uns gerade befinden. Nicht wichtig das wir uns am anderen Ende der Welt in einem Restaurant befinden, dessen italieniesches Essen eigentlich in das uns heimische Ende der Welt gehört hätte, nach Europa.

Wir sind hier, weil ich das mir vertraute italienisches Essen so mag und Ihr deshalb dieses Restaurant vor ein paar Monaten gezeigt habe, nachdem sie hier angekommen war.

Wir sind hier, weil wir uns verabschieden werden, weil wir jetzt unsere eigenen Wege gehen, weil ich sie nichtmehr halten wollte, nicht halten konnte, ich weiss es nicht oder vielleicht auch, weil ich sie jetzt gerade halten will.

Wir sind hier weil ich sie in den Wahnsinn getrieben habe, weil sie nur noch zu weinen wusste, weil sie scheinbar süchtig nach diesen negativen Emotionen war und Sie sich wieder selbst finden musste. Abschied…

Verstehen kann ich es noch nicht, am liebsten möchte ich diese warme Frau an meiner Seite halten, ich möchte sie berühren, ich möchte ihre traurigen Haare wieder fröhlich machen, Ihre Augen sollen wieder lachen.

Wie liebenswert sie mir plötzlich erscheint, was bin ich doch für ein Schwein. Nach all Ihren Mut und Ihrer Bemühungen hier nach Matagalpa zu kommen, habe ich sie nichtmehr bei mir haben wollen.

Vier Wochen hatten wir uns jetzt nicht gesehen und wenn ich darüber nachdenke, dann tut es mir um jede Minute leid die ich sie nicht habe riechen oder beobachten können. Tapfer ist sie sogar jetzt zu mir gekommen, um sich von mir zu verabschieden, um mir eine Umarmung zu geben, ein Lächeln, einen Friedenskuss.

Sie hat sich den kleinen Tisch in der Ecke ausgesucht, weil er Ihr gefällt und weil die anderen, die Ihr noch besser gefallen hätten alle besetzt sind. Sie hat vor genau 20 Minuten Tagliatelle mit Tomaten und Rucola bestellt und ich Lasagne, wie immer. Sowieso stelle ich immerwieder fest, dass ich oftmals Dinge wie immer mache, dass sich vieles Wiederholt in meinem Leben.

Der Kellner scheint uns nich ernsthaft zu bedienen, vielleicht möchte er uns auch nicht stören, da er die Energien vernimmt die zwischen uns liegen. Vielleicht vernimmt er sie sogar besser als wir oder als ich, denn ich habe mir abgewöhnt alle Energien zu bemerken und die Gedanken anderer für sie zu Ende zu denken.

Für meinen Teil kann ich mich nicht ganz entscheiden ob ich diese Frau beschützen will und ob ich sie am liebsten jetztgleich, im Wissen das sich ihr weicher Bauch dann bald wölben würde, besteigen möchte oder ob ich das tue, wofür ich hier bin: Verabschieden. Das war der Grund unseres Treffens, die letzte Mahlzeit oder, vielleicht doch unser letztes gemeinsames Mal.

Ich kann meinen Blick nicht von Ihren Lippen entreissen, die Kuhle zwischen Ihrem Dekolte macht mich ganz heiss und wenn ich mich nicht ein wenig konzentriere, dann verliere ich denn Faden unserer Konversation und fühle nur noch das meine leichte Erektion, meine Beine zur Begwegung inspiriert.

Draussen ist es heiss, drinnen auch. Der Raum, ist im Vergleich zu dem grellen Tageslicht welches mir durch die offene Tür, den Weg nach draussen weist, sehr dunkel. Ich rede viel!

Das fällt mir in einem Moment des Schweigens auf, sie scheint ein wenig verwirrt, doch wie immer sagt sie das nicht, sondern lässt sich von meinen Emotionen tragen. Sie ist eine Art Surfer der versucht die Wellen meiner Stimmungen so zu nehmen wie sie gerade sind, ohne darauf zu hoffen das sie etwas an den Wellen, also an meinen Auf und Abs ändern kann.

Das hasse ich, denn sie kann sehrwohl was daran ändern, sie kann sogar oft etwas dafür und bevor ich mich in meinem Gedankenstrudel emotional von Ihr abwende kommt der Kellner und bringt das Essen, endlich.

Wir lachen und sind romantisch, wir zelebrieren das wir uns verlassen, wir zelebrieren immer erst besonders intensiv, wenn es eigentlich nichtsmehr zum feiern gibt, die normalen Feste die wurden nicht wirklich gefeiert.

Ist auch egal, ich habe meine Lasagne und bilde mir ein, dass diese es ist die mich so glücklich und zufrieden macht, es muss ja nicht unbedingt etwas mit Ihr zu tun haben. Sie geht aufs Kloh, ich stelle mir vor wie sie auf der Toilette den Kellner fickt und werde ganz ratig. Nachdem sie auf Ihren Stuhl zurückkommt muss ich sie berühren, sie zieht sich ein wenig zurück, genau das brauche ich.

Oh nein, verabschieden..ist jetzt wichtig, doch warum eigentlich sie könnte doch auch einfach für immer an meiner Seite sein.

Wir essen die Nudeln, der Kellner kommt nicht um uns Getränke anzubieten, er kommt auch nicht obwohl wir nach Salz gebeten haben, wir gehen unter. Da hat sie sich ja einen guten Tisch ausgesucht, oder vielleicht hat sie sich auch einfach den falschen Mann ausgesucht, nämlich mich. Ihr leben ist eigentlich nicht kompliziert, mir scheint immer als wäre es zu unkompliziert somit hat sie sich mit mir genau den Ausgleich in ihr emotionales Leben geholt den man zum lebendig sein braucht. Das bedeutet halt auch, das der Kellner Sie übersieht denn ich möchte lieber alleine sein, vielleicht möchte ich das so sehr, das der Kellner meinen Willen spüren kann.

Ich bin halt nicht wie sie, ich bin wie ich und deswegen ist es auch gut das wir nichtmehr zusammen sind, Abschied ist somit auch o.k.

Doch wenn ich sie so anschaue und ihr lausche da wird mir wieder ganz warm ums Herz, vielleicht kann sie ja doch ein bisschen mehr wie ich und weniger wie sie sein, auch wenn ich sie so eigentlich sehr gerne habe, doch es wäre einfach einfacher, wenn sie so wie ich sein könnte. Das glaube ich und bin mir über das Übel meiner Gedanken nicht ganz im klaren. Nun geniese ich sie noch, ich erheiter Ihre sehnsüchtige Hand und ich lasse mich fallen in das sein, verliebt, gemeinsam, nichtmehr allein.

Ich bin nichtmehr, ich rede zwar doch was ist nicht wichtig, sondern das wir reden, austauschen und einander lauschen, dass das ist real und wichtig für sie, doch nicht immer für mich. Jedoch trotzdem sehr oft.

Der Kellner bringt die Rechnung, heute zahle ich, ist ja schlieslich das letzte Mahl, sonst passiert das nicht. Wir gehen raus, lächeln einander an, ich frage mich wie ich sie wohl am nächsten an mich reissen kann, ich schaue ihr sehnsüchtig hinterher, finde mich in ihrem Anblick ungefähr, dann wieder nichtmehr und wir gehen raus. Die Sonne scheint und zwar sehr. Ich kann keinen Schatten finden um mich zu retten, keine Wiese, kein Baum nur noch sie ist da, also lasse ich meine Hitze raus..beginne von jetzt auf gleich eine Diskusion diese endet in einen Streit, das Ziel scheint erreicht. Ich frage sie etwas dessen Antwort sie nicht wissen kann, weil keiner sei weiss, weil ich sie nicht weiss, ich bin beleidigt und für den Kampf bereit.

Verliebtsein das war einmal, vor einer halben Minute vielleicht jetzt ist Kriegzeit und ich bin dabei. Sie steigt auf Ihr Brett, die Welle ist hoch die Hitze bringt das Wasser zum kochen, sie ist gut, sie hält sich auf ihrem Brett, regt und streckt sich auf Ihrem Brett und ich lasse das Wasser brutzeln damit sie irgendwann fällt, runter ins Wasser zu mir oder auchnicht. Doch nichts passiert, sie steht obwohl ich, obwohl das Wasser sichjetzt nicht bewegt. Stille verbreitet sich.

Ich schaue in ihr Gesicht, es ist hart, es verbirgt sich ein wenig Trauer darin. Doch diese kann ich nur erahnen, es ist schlimmer was ich krieg, Tränen und Trauer bin ich ja gewöhnt, doch das das macht mich unglücklich.

Abschied, ich lasse sie gehen, eine Umarmung fällt mir nach dem hohen Wellengang zu schwer. Sie steht star auf Ihrem Brett und dann schreitet sie geübt von mir weck, keine Tränen, keine Wut, Ignoranz so lautet ihre neue Medizin und mein Kampf ist ruiniert.

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